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Dez 25

Weiße Weihnachten? 100 Jahre Schmuddelwetter (Teil 2: Zweiter Weltkrieg bis in die 2000er)

Das diesjährige Weihnachtsfest fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Regen und Sturmböen dominierten den Heiligen Abend. Dabei sehnt man sich jedes Jahr aufs Neue nach langen Winterspaziergängen in trockenen Winterlandschaften und schneebedeckten Fensterbänken, die den Lichterglanz in der Stube doppelt so gemütlich erscheinen lassen.

Wir betrachteten das Winterwetter der letzten 100 Jahre. Nach dem ersten Teil, in dem wir die weihnachtlichen Wetterlagen von 1913 bis in die 30er Jahre unter die Lupe nahmen, haben wir uns die Launen der Natur vom Zweiten Weltkrieg bis heute angeschaut.

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die Winter kälter. Der Winter 1937/1938 war von einer extremen Kältewelle geprägt. In Deutschland wurden bis minus 30 Grad Celsius gemessen. Am 25. Januar waren Nordlichter, wie sie normalerweise nur in der Nähe des Polarkreises zu sehen sind, bis zu den Alpen deutlich zu erkennen. Der darauffolgende Sommer hingegen brachte Hitzerekorde. Die milden Temperaturen gingen bis hinein in den November, bevor die Wintertemperaturen die getrübte Stimmung der kriegsgebeutelten deutschen Bevölkerung erneut widerspiegelten. Weihnachten 1939 brachte weiße Weihnachten, von bis minus 12 Grad wird berichtet.

Das Wechselwetter zwischen heißen Sommern und kalten Wintern setzte sich während der Kriegsjahre fort. Januar und Februar 1940 kletterten die Temperaturen bis auf minus 40 Grad Celsius. Die Ostsee zwischen Deutschland und Skandinavien war zeitweise zugefroren. Das heißt, man hätte theoretisch zu Fuß über das Meer nach Schweden gehen können.

Jährliche Frage: Wird Weihnachten romantisch weiß? Foto: pixabay

Jährliche Frage: Wird Weihnachten romantisch weiß?
Foto: pixabay

Der Winter 1945/1946 brachte wieder mildere Temperaturen, Unwetter waren die Folge. Ab diesem Zeitpunkt scheint sich das Wetter eingependelt zu haben, im Sommer warm, im Winter kalt. In den warmen Jahreszeiten kam es aber im Laufe der Jahre immer wieder zu Unwettern mit Überschwemmungen. Die weihnachtlichen Durchschnittstemperaturen dieser Zeit kletterten meist unter die Null-Grad-Grenze. Ein weißes Christfest war keine Seltenheit.

Die 50er Jahre brachten wieder mildere Winter. Der Schnee, den man sich heute zu Weihnachten wünscht, blieb meist aus, was auch gut so war, da die Menschen zur Fortbewegung auf „Schusters Rappen“ angewiesen waren und eingeschneite Dörfer die Existenz der Bewohner bedrohen konnten.

Die Plusgrade der folgenden Jahreswechsel brachten meist nasskaltes Wetter um die Weihnachtszeit. Im Dezember 1955 wurden in Deutschland bis zu plus 25 Grad Celsius gemessen. Die Kältewellen verschoben sich in den Jahresabläufen regelmäßig nach hinten. 1957 fielen aufgrund eines extrem kalten Aprils Obsternten aus. In den Alpen hielten im Mai noch extreme Schneefälle die Menschen in Atem, viele Pässe waren nicht passierbar.

Nach dem sogenannten „Jahrhundertsommer“ 1959 blieb es auch im Herbst und im Winter sehr warm. Zu Weihnachten wurden bis zu 10 Grad Celsius gemessen, aus Frankfurt am Main gibt es Berichte über blühende Blumen im Dezember. Das Wetter in Norddeutschland war in diesem Winter von viel Regen und Stürmen geprägt.

Ein kalter Winter eröffnete die „wilden“ 60er Jahre. Im Januar 1960 herrschten Temperaturen bis zu minus 29 Grad Celsius. Ganz Deutschland war von einer dichten Schneedecke überzogen. Das Wetter in diesem Winter kann als bezeichnend für das folgende Jahrzehnt betrachtet werden, fast jedes Jahr weiße Weihnachten. Der Winter 1962/1963 ging als „3. Jahrhundertwinter in Folge“ in die Geschichte ein. Im März wurden noch bis zu minus 20 Grad Celsius gemessen. In den Medien wurde bereits über das Kommen einer neuen Eiszeit diskutiert.

Die 1970er Jahre waren ebenfalls geprägt von frostigen und langen Wintern. Schnee blieb allerdings oft aus. Bis auf den Dezember 1976, dieser bescherte weiße Weihnachten in ganz Deutschland.

Bis Mitte der 80er Jahre war das Wetter nicht gerade entscheidungsfreudig. Erst 1984 schlug „Väterchen Frost“ so richtig zu. Ganz Mitteleuropa war von einer extremen Kältewelle betroffen. Diese langen und kalten Winter setzten sich in den Folgejahren bis 1986 fort. Im Januar 1987 wurde in manchen Teilen Deutschlands aufgrund von extremer Kälte mit sogar Toten Katastrophenalarm ausgelöst.

Ende der 80er Jahre waren die Dezember wieder sehr mild. Schnee- und Eiseinbrüche verlagerten sich in Richtung Frühjahre. In den 1990er Jahren war das Weihnachtswetter wiederum ein Wechselbad der Wünsche und Gefühle. Schnee gab es nachwievor meist erst nach dem Jahreswechsel. Im Februar 1996 behinderte Eis den Schiffsverkehr im Hamburger Hafen, die Ostsee war weitgehend zugefroren.

Der Milleniums-Winter 1990/2000 brachte nur in höheren Lagen Schnee. Die Durchschnittstemperaturen in den meisten Teilen Deutschlands waren zu mild. Vielen ist noch der Winter 2004/2005 in Erinnerung, der vor allem in Süddeutschland und in den Mittelgebirgen zu Schneechaos führte. München beispielsweise glich einer einzigen Schneedecke. Was vor allem Kindern Freude bereitete, ließ viele Reisende verzweifeln. Tagelang fiel im Münchener Hauptbahnhof der Zugverkehr aus.

Das Weihnachtswetter war also in den letzten Jahrzehnten nicht so schlecht wie sein Ruf. So stürmisch und verregnet die diesjährigen Weihnachtsfeiertage in den meisten Teilen Deutschlands sind, desto mehr kann man auf weiße Weihnachten im nächsten Jahren hoffen.

 

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