«

»

Feb 05

Schneekatastrophe in Österreich: „Mit jeder Schneeflocke kam ein schlechteres Gefühl“

Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel haben sich Österreichs Skiliftbetreiber und Hoteliers nichts sehnlicher gewünscht als Schnee. Jetzt ist er da, und wie.

Unaufhörliche Schneefälle haben weite Teile der Alpenrepublik lahmgelegt. Tausende Haushalte sind ohne Strom, offizielle Stellen sprechen von 17.000, Züge fallen aus. Nach inoffiziellen Angaben forderte das massive Winterwetter bereits vier Todesopfer, direkt und indirekt. Ein älterer Mann beispielsweise verstarb nach einem Herzinfarkt, den er durch die Anstrengung während des Schneeschippens erlitt.

Betroffen sind vor allem die Bundesländer Steiermark, Kärnten und das zu Tirol gehörende, aber geographisch exponiert liegende, Osttirol. Österreichische Medien berichten von 1,5 Metern Neuschnee in 48 Stunden, der sich inzwischen in bis zu fünf Metern hohen weißen Wänden aufgetürmt hat. Dächer drohen aufgrund der Last einzustürzen. Dazu kommen Lawinenabgänge. In einigen Regionen konnte die Lawinenwarnstufe inzwischen gesenkt werden, wie das Österreichische Fernsehen ORF berichtet. Doch vielerorts gilt noch immer die höchste Warnstufe auf der fünfteiligen Skala.

Fotos (2): Sebastian Mahler

Fotos (2): Sebastian Mahler

Sämtliche verfügbaren Einsatzkräfte, Feuerwehren, Rettung, Polizei und sogar Soldaten des Österreichischen Bundesheeres sind im Dauereinsatz, um die Situation in Griff zu bekommen. Doch das Wetter kennt keine Gnade. Am Mittwoch fiel erneut Schnee. Erneut fiel in ganzen Orten der Strom aus. „Wir arbeiten unter Hochdruck, die Infrastrukturen wieder herzustellen, doch können wir nicht abschätzen, wie lange es dauert“, so ein Einsatzleiter am Mittwoch in einem Gespräch mit Radio Steiermark.

Angst statt Aprés-Ski und Pulverschnee
Tausende Touristen sind immer noch in der Schneehölle eingeschlossen und können nur nach und nach rausgebracht werden.

Der Produktmanager der Wetterversicherung, Sebastian Mahler, ist gerade aus dem osttirolerischen Defereggental, wo er eigentlich einen entspannten Skiurlaub verbringen wollte, zurück nach Deutschland gekommen. Er hatte Glück und konnte am Montag mit anderen Touristen das Gebiet verlassen.

„Es war schon beängstigend, welche irrwitzige Schneemenge dort innerhalb von drei Tagen gefallen ist. Am Anfang wirkte alles noch recht spannend und einfach schön, weil wir hier ja so viel Schnee nicht kennen und fasziniert davon sind“, beschreibt Mahler seine Erlebnisse in Österreich.

„Dann kommen die ersten Lawinenwarnungen und -abgänge und schlagartig überkommt einen mit jeder Schneeflocke mehr, die vom Himmel fällt, ein schlechteres Gefühl.“ Der Thüringer wird die Erlebnisse lange nicht vergessen. Er musste die Abreise immer und immer wieder verschieben, da das komplette Tal von der Außenwelt abgschnitten war. Der 28-Jährige berichtete weiter: „In unmittelbarer Nähe kam der Fahrer eines Räumfahrzeuges ums Leben, als er von einer Lawine begraben wurde.“

Großräumige Schneehölle
Auch jenseits der österreichischen Grenze in den südlichen Nachbarländern tobt das Schneechaos. In Slowenien ist die Hälfte aller Haushalte ohne Strom. Auch hier sind die Einsatzkräfte rund um die Uhr im Einsatz. In Serbien mussten Panzer der Armee anrücken, um der Bevölkerung des Balkanlandes, die Schnee nicht gewöhnt ist, zu helfen. Die Lawinenwarnungen im italienischen Südtirol schwanken noch immer zischen den Stufen 3 und vier.

Wie lange die Situation noch anhält, trauen sich nicht einmal Meteorologen voraussagen. Aber eins ist sicher: Es wird noch eine Weile so bleiben, die nächste Schneefront ist im Anmarsch.

radlader

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.