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Jun 21

Prognosen: Was ist dran an Bauernregeln?

Die modernen Wettervorhersagen, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts und wurden erst mit der Erfindung der Luftfahrt aktuell. Aber wie beurteilten die Menschen die Entwicklung des Wetters, die gerade für die Landwirtschaft wichtig ist, vorher? Sie beobachteten das Wetter und Zusammenhänge langfristig im Jahresablauf und stellten Regeln auf, die heute landläufig unter Bauernregeln bekannt sind.

Landwirt in Getreidefeld

Kann man sich auf Bauernregeln verlassen?

Wenn man Meteorologen fragt, bekommt man meist ein „teilweise“ zu hören. Was auf alle Fälle zu beachten ist, dass die Regeln auf regionale Erfahrungen zurückzuführen sind, da sind sich die Experten einig. In Norddeutschland wurden die meist gereimten Sprüche aufgrund anderer Phänomene überliefert, als zum Beispiel in den Alpen. Bei der Beurteilung des kommenden Wetters ist weniger die Prognose für die nächsten ein bis zwei Tage, wie Abendrot oder aufziehende Schäfchenwolken interessant. Eine Herausforderung ist die Beurteilung des langfristigen Wetters, die ausgehend von bestimmten Lostagen, die Entwicklung prognostizieren. Zu den Lostagen gehören unter anderem Lichtmess (2. Februar), die Eisheiligen (11. – 15. Mai) und Weihnachten. Eine Regel, die drei der fünf Eisheiligen beinhaltet ist zum Beispiel „Pankraz, Servaz, Bonifaz, machen erst dem Sommer Platz.“, was so viel bedeutet, als dass erst nach dem 15. Mai mit wärmeren Temperaturen zu rechnen ist.

Der Diplom-Metereologe Dr. Jurik Müller machte sich die Mühe und sammelte für sein Buch „100 Bauernregeln, die wirklich stimmen“ (blv Verlag), das im September 2011 erschien, Regeln, die er aus wissenschaftlicher Sicht nach dem Wahrheitsgehalt prüfte.

Wir haben drei von Juriks Antworten herausgenommen:

Wenn fremde Wasservögel nah’n, deutet das große Kälte an.

Wenn in Nordeuropa im Februar alle Gewässer zufrieren, finden die Wasservögel keine Nahrung mehr und fliehen auf Futtersuche nach Süden – lange bevor die eisige Luft auch uns erreicht und für eine späte Kältewelle sorgt.“

Fließt im Spätherbst noch Birkensaft, kriegt der Winter keine Kraft.

Ist der November wolkenarm und sonnenreich, wird der Boden verhältnismäßig stark erwärmt. Die Birke mit ihren flachen Wurzeln wird dadurch länger mit Nährstoffen versorgt und verliert nur langsam ihre Blätter. Einem derartigen November folgt in sieben von zehn Fällen auch ein überdurchschnittlich warmer Januar.

Baumblüte zum zweiten Mal im Jahr noch nie ein gutes Zeichen war.

Erwärmt es sich nach einem kühlen und feuchten Witterungsabschnitt noch einmal, “denken” viele Pflanzen, es ist bereits Frühling. Beim nächsten Frost fallen die Blüten aber wieder ab. Da der Baum dadurch Kraft verpulvert, fällt die Ernte im nächsten Jahr geringer aus.

Im Gegenzug drei Bauernregeln, die laut Jurik auf keinen Fall stimmen können:

Wenn viel Gras die Hunde fressen, wird es bald vom Himmel nässen.

Dass Hunde Gras fressen, liegt nicht am Wetter. Sie bringen so ihren Verdauungsapparat in Schwung, unabhängig von Sonnenschein und Regen.“

Wie die ersten zwölf Tage im Januar walten, so werden sich die zwölf Monate gestalten.

Ein Wetteraberglauben, der mehr als drei Jahrtausende überdauert hat. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, die ersten zwölf Tage enthalten das Wetter der kommenden zwölf Monate im Embryonalzustand. Das ist Quatsch.“

Gründonnerstagsregen gibt selten Erntesegen.

Auch wenn man solche Lostags-Regeln nie nur auf einen Tag beziehen soll, sondern auf die Zeit um den betreffenden Tag, ist dieser Spruch unsinnig, weil Gründonnerstag auf 35 verschiedene Tage fallen kann.

Ob man sich auf die Vorhersagen der modernen Meteorologie verlässt, eine eigene Wetterstation zu Hause hat oder sich mit den Bauernregeln auseinandersetzt, ein Stück Kultur und lustig zum Lesen sind sie auf alle Fälle.

Foto: fotolia.com

 

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