«

»

Dez 11

Orkan „Xaver“: Etwas mehr als ein blaues Auge

„Xaver“, von den Dänen übrigens „Bodil“ und von den Schweden „Sven“ getauft, geht wohl als Wettername des Jahrzehntes negativ in die Meteorologiebücher ein. Im Vorfeld ließ das Sturmtief vorallem das Blut der Bewohner der deutschen Küstenregionen in den Adern gefrieren. Gerade Hamburg wurde von extrem schweren Unwettern in den letzten Jahrzehnten gezeichnet. Als „Xaver“ im Anmarsch Richtung Europa war, kamen schnell Erinnerung an die verheerende Sturmflut 1962, die große Teile der Hansestadt zerstörte und 315 Menschen das Leben kostete, hoch. Die Bilanz des Orkans vorige Woche ist im Vergleich zur Flut 1962 erfreulich. Zu behaupten, Deutschland wäre mit einem blauen Auge davon gekommen, wäre allerdings etwas untertrieben.

Warnungen gab die Deutsche Unwetterzentrale für ganz Deutschland heraus, auch in den südlichen Nachbarländern, wie Österreich und die Schweiz, bereitete man sich auf die schlimmsten Szenarien vor. Doch der Orkan traf vor allem Norddeutschland und zog dann in Richtung Baltikum und in weiterer Folge nach Russland weiter.

Entstanden war das Sturmtief südlich von Grönland auf dem offenen Nordatlantik und traf am 5. Dezember auf Großbritannien. Bereits am Nachmittag des selben Tages erreichte „Xaver“ das europäische Festland. Die höchsten Sturmgeschwindigkeiten wurden mit bis zu 174 km/h auf Sylt gemessen. Am 6. Dezember wurde der höchste Pegelstand über Hochwasser gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt gaben mehrere vorgelagerte Inseln “Land unter“ bekannt. Der Orkan brachte den zweithöchsten Pegelstand seit Beginn der Aufzeichnungen 1825 nach Hamburg-St. Pauli. Gemessen wurden dort 5,10 Meter.

Sturmflut im niedersächsischen Fedderwardersiel am 6. Dezember. Foto: Deutscher Feuerwehrverband/Joachim Probst

Sturmflut im niedersächsischen Fedderwardersiel am 6. Dezember. Foto: Deutscher Feuerwehrverband/Joachim Probst

Im Rest der Bundesrepublik waren die Ausläufer des Tiefs zwar teilweise heftig zu spüren, hinterließen aber keine größeren Schäden. Merkbar waren die Windböen vorallem auf exponierten Stellen. So wurde zum Beispiel auf der Moseltalbrücke in Rheinland-Pfalz ein Kleintransporter mit Hänger umgeweht, verletzt wurde dabei niemand. Für die Mittelgebirge, wie dem Brocken im Harz, wurde großteils Warnstufe Rot ausgegeben, was als lebensgefährlich gewertet werden kann. Durch Ausfällen bei Bahn und Flug im Norden wurde der Fernverkehr in ganz Deutschland beeinträchtigt. Weihnachtsmärkte mussten, teilweise vorsorglich, ihre Stände abbauen, Kinder in Norddeutschland freuten sich vermutlich über den Ausfall des Schulunterrichtes.

In Deutschland gab es keine offiziellen Todesopfer. Ob der Krankenwagen, bei dessen Unfall in Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern die 82-jährige Patientin starb, aufgrund einer Windböe umkippte, ist noch unklar. In den anderen betroffenen Staaten starben insgesamt elf Menschen an den Folgen des Unwetters.

„Xaver“ zog auch eine Schneise durch Wald und Flur. Über land- und forstwirtschaftliche Schäden liegen dem Bundeslandwirtschaftsministerium noch keine konkreten Zahlen vor, wie eine Sprecherin gegenüber der Wetterversicherung bestätigte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.