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Jan 07

Klimaerwärmung zerstört Weizen, aber Eis dehnt sich aus

Ende des Jahres sind zwei Studien über Auswirkungen des Klimawandels erschienen, die auf den ersten Blick etwas verunsichern. Die Universität Bonn hat herausgefunden, dass die globale Erwärmung massive Verluste in der Weizenproduktion zur Folge hat, das Max-Planck-Institut für Meteorologie sagt, die Antarktis sei mit mehr Eis bedeckt als je zuvor.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Klimaerwärmung offenbar die weltweite Weizenproduktion beeinträchtigt. Foto: pixabay.com

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Klimaerwärmung offenbar die weltweite Weizenproduktion beeinträchtigt. Foto: pixabay.com

Jedes zusätzliche Grad Celsius verringere die Weizenproduktion im Schnitt um sechs Prozent, so das internationale Forscherteam der Uni Bonn. Weltweit seien das 42 Millionen Tonnen an Ertragseinbußen. Die Wissenschaftler verglichen in der Studie verschiedene Ertragsmodelle für Weizen mit Experimentaldaten und nutzten die Modelle für die Ertragsabschätzung unter steigenden Temperaturen. Wie viel eine Weizenpflanze an Getreidekörnern produziert, hänge neben der Nährstoffversorgung insbesondere auch vom Klima ab: Trockenheit und hohe Temperaturen führten in der Regel zu Ertragseinbußen.

Der Weltklimarat (IPCC) gehe von einer möglichen Erwärmung der durchschnittlichen Lufttemperatur von 1,1 bis 6,4 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 aus, heißt es in dem Bericht, der im Fachjournal „Nature Climate Change“ erschienen ist. Damit nehme neben dem Trockenstress auch der Hitzestress für die Pflanzen absehbar zu. Wie sich das auf die Ernten auswirkt, untersuchten die Wissenschaftler mithilfe von Wachstumsmodellen und verglichen 30 solcher Computersimulationstmodelle miteinander. „Mit steigenden Lufttemperaturen nehmen die Unsicherheiten bei allen Modellen zu. Aber gerade diese Daten werden für Klimafolgeabschätzungen zu den Weizenerträgen dringend gebraucht“,  so Prof. Dr. Frank Ewert vom Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) der Universität Bonn.

Eis-Zunahme irritiert Wissenschaftler
Das Max-Planck-Institut für Meteorologie rudert bei ihrer Forschungstätigkeit in eine ganz andere Richtung. Forscher des Hamburger Instituts haben in einer Studie festgestellt, dass sich das Meereis um die Antarktis in den letzten Jahrzehnten ausgedehnt hat. Es gibt offenbar so viel eisige Masse wie seit dem Beginn der kontinuierlichen Satellitenmessungen 1979 nicht.

Die 20 Millionen Quadratkilometer große Fläche bilde den vorläufigen Höhepunkt einer langsamen Zunahme des antarktischen Meereises, schreiben die hanseatischen Forscher in dem Artikel. Diese Entwicklung irritiere zunächst, weil die fortschreitende globale Erwärmung gleichzeitig in der Antarktis zum Abschmelzen des Meereises führe, so die Wissenschaftler.

Der Hauptautor der Studie, Alexander Haumann, erklärt, warum das Phänomen in anderen Klimaberichten nicht auftaucht: „Um die Entwicklung des Meereises in der Antarktis im Modell nachvollziehen zu können, müssen wir insbesondere die bodennahen Winde gut simulieren. Es geht hier in erster Linie um Regionen mit Wintertemperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, so dass es auch bei einer Erwärmung noch viel Eisbildung im Ozean rund um die Antarktis gibt. Angetrieben durch starke Winde wird dieses Eis manchmal über mehr als tausend Kilometer transportiert. Wenn man wissen will, wohin das Eis treibt und welche Gebiete es bedeckt, muss man verstehen, wie es durch die Winde verschoben wird.“

Eine wichtige Erkenntnis für die weiteren Forschungen sei, dass sich die Winde in den letzten Jahrzehnten verändert haben, weiß auch Haumanns Kollege Dirk Notz, der die Forschungsgruppe „Meereis im Erdsystem“ am Institut leitet . „Wir beobachten eine Verstärkung der Windfelder vor den Küsten, insbesondere im Rossmeer. In diesem zum Pazifik weisenden Sektor des Südpolarmeeres haben sich die Winde in letzter Zeit so verändert, dass sie das Eis stärker von der Küste wegschieben, wo sich das Eis dann kontinuierlich neu bildet“, so Notz. Während dies auch in früheren Studien bereits vermutet worden war, unterstreiche die neue Studie, dass dieser Mechanismus bis heute die Hauptrolle für die Eisbedeckung spielt. „Dort wo die Winde stärker vom antarktischen Kontinent weg wehen, nimmt die Eisbedeckung zu, weil das Eis weiter nach Norden getrieben wird und der Ozean südlich davon wieder zufriert. So einfach ist das.“, erläutert der Wissenschaftler.

Die Klimaforschung bleibt in jedem Fall ein spannendes Feld, das wohl noch ganz am Anfang steht.

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