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Jan 03

Ist Biomasse nicht klimaneutral?

Wissenschaftler sind sich in einer Studie sicher, dass Biomasse zur Gewinnung von Bioenergie Auswirkungen auf den Treibhauseffekt hat.

Foto: pixabay

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Wälder und Pflanzen sind wichtig für die Speicherung von Kohlenstoff. Wissenschaftler beschäftigen sich schon länger mit der Auswirkung von Abholzung auf den Klimawandel. Einer neuen Studie im Fachjournal „Nature“ zufolge speichern Pflanzen in Landökosystemen weltweit rund 450 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Die Forscher sind sich aber sicher: Das ist weniger als die Hälfte dessen, was theoretisch möglich wäre. Sie sehen dafür den vermehrten Einsatz von Biomasse, auf den die Klimapolitik setzt, als Ursache.

Wie sich die Abholzung von Wäldern für die Umwandlung in Ackerland auf die Kohlenstoffbilanz der Erde und den Klimaschutz auswirkt, sei relativ gut quantifiziert, so die Forscher. In der Studie haben sie aber erstmals für alle Arten der Landnutzung berechnet, wie sie sich auf die durch Pflanzen gespeicherte Kohlenstoffmenge auswirken.

Biomasse klimapolitisch überschätzt?

„In einer hypothetischen Welt ohne Landnutzung würde die Vegetation rund doppelt so viel Kohlenstoff speichern“, erklärt Dr. Thomas Kastner vom Senckenberg Forschungszentrum, das neben der Universität Klagenfurt, dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie und dem Max-Planck-Instituts für Meteorologie an der Studie beteiligt war.

Der Unterschied zwischen möglicher und tatsächlich gespeicherter Kohlenstoffmenge resultiert laut den Forschern ungefähr zur Hälfte aus der Abholzung der Wälder und anderen Veränderungen der Landbedeckung. Die andere Hälfte ist auf die Effekte der Forstwirtschaft sowie der Beweidung natürlicher Grasländer zurückzuführen, wobei zwei Drittel auf die Forstwirtschaft entfallen.

Die Wissenschaftler: „Zwar ersetzt Biomasse als Rohmaterial und in der Energieversorgung fossile Ressourcen, ihre Nutzung kann aber dazu führen, dass die bewirtschafteten Flächen beträchtliche Mengen an Treibhausgasen emittieren.“ Dafür spreche, dass letzteres vor 1800 – also vor der Industrialisierung mit ihren Emissionen aus Fossilenergie – stattgefunden hat.

Noch nicht ausreichend erforscht

Darüber hinaus sehen die Autoren beim Schutz der Kohlenstoffbestände in der Vegetation noch gravierende Unsicherheiten und Datenlücken. „Wir können derzeit nur in gemäßigten Klimazonen mit ausreichender Sicherheit nachweisen, ob Aufforstung und andere Maßnahmen den Bestand von Biomasse steigern.“, sagt Kastner. In dieser Region seien die erzielbaren Effekte allerdings gering. Die größten Potenziale ortet er in den tropischen Wäldern. Dort sei es bislang schwierig, sicher zu belegen, ob sich der Biomassebestand erhöht. Ein verbessertes Monitoring sei daher nötig, um ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis der Maßnahmen zu erreichen“, so der Wissenschaftler.

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