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Nov 06

Grönland-Gletscher: Keine klare Linie in der Entwicklung

Dass Grönlands Gletscher in Richtung Meer wandert, ist man sich einig. Über die Geschwindigkeit diskutieren Wissenschaftler noch. Foto: esa

Dass Grönlands Gletscher in Richtung Meer wandert, ist man sich einig. Über die Geschwindigkeit diskutieren Wissenschaftler noch. Foto: esa

Der Name „Grönland“ für die größte Insel der Welt täuscht. Er bedeutet nämlich auf Deutsch „grünes Land“. Das zum nordamerikanischen Kontinent gehörende Eiland ist großteils noch von Gletschern bedeckt. Die Betonung liegt auf „noch“. Der Klimawandel hat die politisch zu Dänemark gehörende Insel in Bewegung versetzt.

Die European Space Agency (ESA) mit dem Kontrollzentrum im hessischen Darmstadt fungiert als Beobachter unter anderem dessen, was sich in Grönland abspielt. Die Satelliten ERS-1 und ERS-2, beide nicht mehr aktiv, lieferten seit den 80er Jahren ständig Daten über die Entwicklung des Meereises am Nordpol und der Gletscher am Südpol und in Grönland. Der Zeitraum von einigen Jahrzehnten ist allerdings im Vergleich zum Erdalter viel zu kurz, um hundertprozentig sagen zu können, was sich da abspielt. Klar ist nur, da tut sich was.

 

Die landläufige Meinung ist, die Gletscher schmelzen aufgrund der Klimaerwärmung, die ohne Zweifel schon seit Längerem stattfindet. Doch die Entwicklung der Eismassen ist komplexer. Bis 2003 wurde sogar eine Zunahme beobachtet. Vermehrte Verdunstungen über dem Meer durch eine wärmere Atmosphäre sorgen für einen stärkeren Schneefall im nördlichen Polarkreis, was für die Verstärkung des Eispanzers, der über Grönland liegt, sorgt. Von 1992 bis 2003 hat dieser um 45 Milliarden Tonnen zugenommen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 1,8 Zentimeter. Unklar ist jedoch, wie sich diese gegensätzlichen Bewegungen auf den Meeresspiegel auswirken werden. 2012 brach ein etwa 120 Quadratkilometer großer Eisbrocken vom Grönland-Gletscher ab und wurde zum schwimmenden Eisberg, was wiederum Auswirkungen auf den Meeresspiegel hat; die Folge: mehr Wasser, mehr Schnee. Ein Kreislauf, der in den letzten zwanzig Jahren von der Wissenschaft nicht berücksichtigt wurde, kommt laut ESA zum Greifen.

„Auf den aktuellen Satellitenbildern sieht man zwar, dass sich Grönlands Gletscher in Richtung Meer bewegt, aber langsamer, als bisher angenommen.“, so Prof. Frank-Jürgen Diekmann, Flugleiter im ESA-Kontrollzentrum Darmstadt.

Große Hoffnung setzen die Wissenschaftler auf den Satelliten „CryoSat-2“, der 2010 gestartet ist und bis 2017 Daten in einer bisher unerreichten Genauigkeit liefern soll. Aus den laufenden Auswertungen erhofft man sich, der Entwicklung von Gletschergrößen und dem Anstieg des globalen Meeresspiegels einen roten Faden zu verleihen.

 

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