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Jan 24

Diplom-Meteorologe: “Schwere Stürme werden in Europa künftig häufiger auftreten”

Müssen wir uns an schwere Stürme gewöhnen? die-wetterversicherung.de sprach mit einem Diplom-Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes.

Waldschäden nach “Friederike” in NRW. Foto: Jan Preller/Wald und Holz NRW

Waldschäden nach “Friederike” in NRW. Foto: Jan Preller/Wald und Holz NRW

Das Tief “Frederike” hat in Deutschland schwere Sturmschäden verursacht. Nicht nur abgedeckte Häuser, lahmgelegte Bahnstrecken und Schäden in der Land- und Forstwirtschaft: Auch neun Tote wurden gemeldet. Nur wenige Wochen nach dem Orkantief “Burglind” und auf den Tag genau zehn Jahre nach dem vernichtenden Sturmtief “Kyrill” brachte“Friederike” bereits das zweite schwere Unwetter in diesem Jahr nach Deutschland.

Der Landesbetrieb Wald und Forst NRW warnt in einer aktuellen Pressemitteilung davor, Wälder zu betreten. Genügt eine Elementarversicherung oder müssen wir uns tatsächlich grundsätzlich an Wetterereignisse, wie man sie aus vom amerikanischen Kontinent kennt, gewöhnen? die-wetterversicherung.de fragte den Diplom-Meteorologen Thomas Kesseler-Lauterkorn vom Deutschen Wetterdienst (DWD), ob wir uns künftig mit solchen schweren Stürmen auseinandersetzen müssen.

Werden die schweren Stürme und Orkane häufiger oder ist das ein subjektives Empfinden?
Kesseler-Lauterkorn:
Wenn man sich die Langzeitstatistiken ansieht, findet man keinen eindeutigen Trend, dass Winterstürme häufiger auftreten als früher. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren gab es immer wieder Häufungen. Das war Anfang der 90er Jahre so und auch nach der Jahrtausendwende. Das Sturmtief “Kyrill” war dann 2007 der Höhepunkt. Danach war es wieder ruhiger.

Befinden wir uns derzeit in so einer Serie?
Kesseler-Lauterkorn:
Ja, das meine ich schon. In den vergangenen Monaten waren die Stürme aktiver als in vielen Jahren zuvor.

Wenn man 50 bis 60 Jahre zurückblickt?
Kesseler-Lauterkorn:
Da hat es bei uns noch nicht so viele schwere Sturmtiefs gegeben.

Wie kommt es zu Anhäufungen von derartigen Sturmereignissen?
Kesseler-Lauterkorn:
Das liegt an der Witterung, an der Großwetterlage, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten eingestellt hat. An den relativ milden Temperaturen merkt man, dass derzeit eine Westwetterlage dominiert. Durch diese ist die Chance größer, dass Sturmtiefs vom Atlantik auf Mitteleuropa übergreifen. Da ist dann schon einmal so ein markantes Sturmtief wie “Friederike” dabei. In anderen Winter hingegen kommen die Luftströmungen aus anderen Richtungen. In solchen Perioden spielt der Atlantik eine geringere Rolle.

Auswirkungen des Klimawandels?
Kesseler-Lauterkorn:
Jein. Während die Temperaturzunahme laut Statistik eindeutig ist, kann man es bei den Stürmen nicht genau sagen. Den neuesten Forschungsergebnissen zufolge gehen wir von einer künftigen Zunahme von schweren Stürmen in West- und Mitteleuropa aus.

Also doch eine Zunahme?
Kesseler-Lauterkorn:
In Zukunft werden die Stürme schon mehr werden. Wir sprechen dabei vom Zeitraum 2020 bis Ende des Jahrhunderts. Bei der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte ist der Kontext zum Klimawandel noch nicht eindeutig. Die Entwicklung ist meiner Meinung nach etwas mit Vorsicht zu genießen. Aber die Erkenntnisse sagen, dass es möglich ist, dass wir uns in den nächsten Jahrzehnten auf häufigere Sturmereignisse einstellen müssen.

Mehr zum Klimawandel findet man auf der DWD-Internetseite im Nationalen Klimareport des Deutschen Wetterdienstes (PDF).

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