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Jul 06

Diplom-Meteorologe: „Das wechselhafte Wetter ist völlig normal“

Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich. Foto: DWD

Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich. Foto: DWD

Das Wetter in Deutschland in den vergangenen Wochen war von Niederschlägen und heftigen Unwettern geprägt. Jetzt wird es freundlicher, aber wechselhaft. Für viele Menschen noch immer zu schlecht für einen „Traum-Sommer“. Warum aber trotzdem alles im Lot ist, erklärt der Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Herr Friedrich, wird das mit dem Sommer dieses Jahr noch was?
So schlecht, wie die Leute das Wetter empfinden, ist es gar nicht. Es ist aber gefühlt schon so, dass wir im Juni in Süd- und Mitteldeutschland zu wenig Sonne hatten. In Norddeutschland etwa gab es sogar zu viel Sonnenschein.

Was ist für das schlechte Wetter verantwortlich?
Die Wetterlage nennt man Tief Mitteleuropa. Dieses hat sich, wie der Name schon sagt, über Mitteleuropa festgesetzt. Das fing etwa zu Pfingsten an, da hatten wir die ersten Unwetter.

Wo entsteht ein Tief Mitteleuropa?
Eben direkt über Mitteleuropa, nicht etwa über dem Atlantik, der das mitteleuropäische Wetter prägt. Wir hatten mit wenigen Unterbrechungen ein beständiges Tiefdruckgebiet über Deutschland, das nicht nur auf dem Boden sondern auch in höheren Luftschichten etabliert war. Weil auch wenig Wind in der Luft war, haben sich die Luftmassen kaum vom Fleck bewegt und sich ständig über Mitteleuropa gedreht und immer wieder regeneriert.

Gibt es für dieses Phänomen eine meteorologische Erklärung?
Warum das so ist, weiß nur der liebe Gott. Das ist eben das chaotische System der Atmosphäre, das manchmal zu extremeren Ausschlägen führt, wie eben zu der beständigen Großwetterlage der vergangenen Wochen. So eine Wetterlage kommt nur alle paar Jahre vor.

Derzeit ist es wechselhaft mit Regenschauern, für viele Menchen noch nicht genug Sommer…
Jetzt haben wir das besagte Atlantikwetter. Das wechselt ja öfter mal. Hochdruckgebiete mit zwei bis drei Tagen Sonnenschein wechseln sich mit Tiefausläufern ab. Das, was wir jetzt erleben, ist ein normaler mitteleuropäischer Sommer – 20 Grad, wenige Tage auch mal bis 30 Grad und immer wieder Schauer, die sich mit den freundlichen Perioden abwechseln. Beständige extreme Temperaturen bis 40 Grad, wie im Vorjahr, sind für unsere Breitengrade genauso unnormal wie wochenlang Regen und Unwetter.

Was haben wir in nächster Zeit zu erwarten?
Am Wochenende werden die Temperaturen wahrscheinlich bis 30 Grad ansteigen, bevor dann Anfang kommender Woche wieder ein Tiefausläufer mit Gewittern durchzieht. Wir werden eine gemäßigte Witterung bis in die erste Augusthälfte erleben – eben für Mitteleuropa einen normalen Sommer.

 

Interview: Michi Jo Standl

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