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Jul 18

Die zwei Gesichter des Monsun

Der südasiatische Monsun reinigt einerseits die Atmosphäre, andererseits transportiert er Schadstoffe rund um den Globus.

Foto: pixabay

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Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat die Auswirkungen des asiatischen Monsuns auf die Umweltverschmutzung untersucht. Er ist Waschmittel und Schmutzschleuder zugleich. Das fanden die Forscher unter Beteiligung des Forschungszentrums Jülich und des Max-Planck-Instituts heraus.

Kein Wetterphänomen prägt Südasien so stark wie der Monsun. Die Luftströmung führt im Winter zu Trockenheit und Dürre und sorgt im Sommer für starke Regenfälle, die monatelang andauern können. Der Monsun entsteht, weil sich Luftmassen über dem indischen Subkontinent in den Sommermonaten sehr stark aufheizen. Die warme Luft steigt nach oben, feuchte Ozeanluft wird angesaugt und strömt über das Land in Richtung Himalaya. Dabei bilden sich riesige Wolken.

Monsun treibt südasiatische Schadstoffe bis zum Mittelmeer

Bislang war es nur eine Vermutung, dass die aufsteigenden Luftmassen auch verschmutzte Luft hoch in die Atmosphäre transportieren, bis über die Regenwolken hinaus. Luftverschmutzung ist ein wachsendes Problem in Südasien. Emissionen sind in den vergangenen Jahren um fünfzig Prozent gestiegen. Der Grund ist vor allem die Verbrennung von Kohle und anderen fossilen Energieträgern. Dabei entsteht zum Beispiel Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid. Treibhausgas hingegen entsteht über den Reisfeldern. Jedes Jahr bildet sich während der winterlichen Trockenzeit von Dezember bis März eine riesige Schmutzwolke über Südasien. Diese reicht vom Norden des indischen Subkontinents bis zum Indischen Ozean. Während der Regenzeit im Sommer verschwindet die Schmutzwolke wieder.

Messungen ergaben, dass der Monsun die Schadstoffe in 15 Kilometer Höhe bis in den Nahen Osten, über das Mittelmeer und nach Nordafrika trägt. Die Verschmutzung der Stratosphäre hat Auswirkungen auf das Klima und die Ozonschicht. Der Klimawandel wird so negativ beeinflusst. Das stellt ein massives Problem für den Klimaschutz und den Umweltschutz dar. Für die Untersuchung entwickelten die Wissenschaftler eigene Geräte für das deutsche Forschungsflugzeug HALO.

Atmosphäre wird “gewaschen”

Andererseits haben die Forscher eine hohe Konzentration an Hydroxil gefunden. Das Hydroxyl-Molekül (OH) gilt als “Waschmittel der Atmosphäre”. Es oxidiert Schadstoffe effizient. Die Moleküle lagern sich in Schwebepartikeln in der Luft ab, wodurch diese durch Niederschlag leichter aus der Luft ausgewaschen werden. Des Weiteren können sich die oxidierten Moleküle aneinander lagern und so neue Aerosolpartikel bilden. Aerosol gilt als “Gegenspieler” der Treibhausgase, weil sie in bodennahen Schichten kühlend wirken.
Gewitter, die in Monsun-Wolken oft auftreten, verstärken den positiven Effekt. Blitze setzen Stickoxide frei. Diese recyceln die Hydroxyl-Moleküle. Die Selbstreinigungskraft bleibt so erhalten. Den Wissenschaftlern zufolge wird sogar viel mehr OH recycelt als sich primär bildet, denn die OH-Konzentration steigt durch die Blitzaktivität auf das Zwei- bis Dreifache.

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