Kategorienarchiv: Wetter extrem

Aug 21

Trockenheit: Wasser aus Talsperren für Äcker

Projekt gegen die Trockenheit: Wasser aus zwei Talsperren werden ab kommendem Jahr die landwirtschaftlichen Flächen im Thüringer Becken versorgen.

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Foto: pixabay (Symbolbild)

Kommendes Jahr soll die Versorgungsleitung von Thüringer Talsperren in Richtung Felder in Betrieb gehen. Um den Auswirkungen der Trockenheit durch anhaltende Hitzewellen entgegenzuwirken, hat die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) 2018 mit der Planung der 45 Kilometer langen Leitung begonnen. Sie wird zur Bewässerung von Ackerflächen im Thüringer Becken dienen.

Natürliche Wasserversorgung verschlechtert sich durch Trockenheit

„Der Klimawandel mit seinen Extremwettern wird die Landwirtschaft besonders hart treffen. Die Tragik ist, dass die industrialisierte Agrarwirtschaft hier Verursacher und Leidtragender zugleich ist“, sagte Umweltstaatssekretär Olaf Möller zu Beginn des Projektes. „Unsere Klimadaten bestätigen die aktuelle Gefühlslage vieler Menschen. Wir brauchen einen neuen Klimarealismus. Wir müssen aktiv werden, um die Folgen der Klimakrise abzumildern“, so Möller weiter.

Nach Prognosen der Thüringer Klimaagentur wird sich die natürliche Versorgung mit Wasser bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich verschlechtern. Insbesondere im Thüringer Becken wird sich die klimatische Wasserbilanz in der Vegetationsperiode deutlich nach unten verändern.

Wasser der Talsperren wird gezielt genutzt

Ausgangspunkt der neuen Leitung sind die Talsperren „Tambach-Dietharz“ und „Schmalwasser“, beide im Eigentum der TFW. Auf dem Weg bis zur Einleitung in die Gera im Erfurter Norden überwindet das Wasser 293 Höhenmeter und passiert dabei zwei Wasserkraftanlagen sowie zwei Hochbehälter. Der Bedarf an Brauchwasser in der Landwirtschaft entlang der Strecke liegt nach Berechnungen der TFW bei ungefähr 1,75 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Beide Talsperren bieten dagegen 16,1 Millionen Kubikmeter verfügbare Wassermenge. In Spitzenzeiten könnten bis zu 680 Liter pro Sekunde zu Tal strömen.

Aug 14

Klimawandel: Forscher über den steigenden Druck auf die Landwirte

Der Biologe Alexander Popp, Co-Autor der aktuellen Studie des Weltklimarates, sprach mit Spiegel Online über die Rolle der Landwirtschaft beim Klimawandel.

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Foto: pixabay (Symbolbild)

In einem Interview mit Spiegel Online spricht Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimaforschung über die Situation der Landwirtschaft. Er sagt: “Der Druck auf die Bauern wird zunehmen.” Der Biologe ist einer der Leitautoren des vor kurzem vom Weltklimarat IPPC veröffentlichten Sonderberichts zur Klima-Land-Wechselwirkung und die Rolle der Landwirtschaft beim Klimawandel.

Forscher sieht Fleischsteuer als Mittel gegen den Klimawandel

Aus dem IPPC-Bericht gehe hervor, dass eine Wende in der Landnutzung nötig sei, um die Klimaziele zu erreichen. Die Fleischsteuer, über die diskutiert wird, sieht Popp durchaus als probates Mittel, um die Landnutzung zu ändern. “Klar ist”, so der Wissenschaftler, “Weniger Fleischkonsum hilft dem Tierwohl und unserer Gesundheit”. Allerdings dürfe eine Steuererhöhung einkommensschwache Menschen nicht stärker treffen. Gleichzeitig nimmt er die Verbraucher in die Pflicht. “Um die Fleischproduktion zu reduzieren, müssen wir unser Konsumverhalten ändern. Die Bauern produzieren, das was die Verbraucher wollen. Klimaschutz fängt beim Einkaufen an”, so Popp zu Spiegel Online.

Lachgas gelangt in die Atmosphäre

In der Überdüngung der landwirtschaftlichen Flächen sieht der Biologe ein “großes Problem” und nennt dabei einen zweiten Faktor, der als umweltschädlich gilt: Nicht nur das Grundwasser ist gefährdet, durch chemische Prozesse gelangt auch klimaschädliches Lachgas in die Atmosphäre. “Der politische und gesellschaftliche Druck auf die Bauern, effizienter zu düngen, wird also sicher zunehmen”, so Popp. Lösungsansätze nannte er im Interview mit Spiegel Online nicht.

Blumenerde schlecht für das Klima

Allerdings erwähnt Alexander Popp in dem Interview auch einen Aspekt über den weniger gesprochen wird als über die Auswirkungen der Landwirtschaft: “Auch torfhaltige Blumenerde hat schwerwiegende Folgen für das Klima.” Die Moore, in denen Torf entsteht, setzen Treibhausgas frei, wenn sie austrocknen. Deshalb spricht er sich für die Renaturierung der Moore aus. “Wenn diese einstigen Feuchtflächen wiedervernässt werden, können sie auch wieder als Treibhausgasspeicher fungieren”, so der Forscher zu Spiegel Online. Derzeit machen laut Popp trockengelegte Moore rund vier Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen aus.

Das ganze Interview mit Alexander Popp ist auf Spiegel Online zu lesen.

Aug 07

UV-Strahlen: Erste Messstation in Mitteldeutschland

Die UV-Strahlen der Sonne werden zunehmend intensiver. Bundesweite Messstationen informieren über die aktuellen Werte.

UV-Strahlen

Foto: Rico Hengst/TROPOS

In vielen Branchen müssen sich die Menschen der Sonne aussetzen, dazu zählt die Landwirtschaft. Gerade in den Hitze-Sommern, an die wir uns laut Experten gewöhnen müssen, ist es wichtig, sich zu vor den gesundheitsschädlichen UV-Strahlen zu schützen. In Melpitz bei Torgau wurde nun die erste UV-Messstation in Mitteldeutschland in Betrieb genommen. Sie wird vom Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) zusammen mit dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betrieben.

UV-Strahlen werden bundesweit gemessen

Durch das bundesweite Netz von derzeit 13 Stationen wird informiert, wie stark sich die Bevölkerung vor der Sonne schützen sollte. Ultraviolette Strahlung im Wellenlängenbereich von 100 bis 400 Nanometer (nm) ist der energiereichste Teil der solaren Einstrahlung. Sie kann nicht mit menschlichen Sinnesorganen wahrgenommen werden, ist aber die Ursache für starke Wirkungen auf Haut wie Sonnenbrand oder im schlimmsten Fall Hautkrebs.

Gesundheitsgefahr durch Klimawandel

Der Klimawandel wirkt sich mehrfach auf die UV-Strahlung aus: Mehr sonnige Tage führen zu mehr Tagen mit hohen UV-Werten. Im Frühjahr können je nach Wetterlage in der Atmosphäre sogenannte Mini-Ozonlöcher auftreten, die den UV-Index bereits Ende März stärker ansteigen lassen als noch vor ein paar Jahren. Darüber hinaus erholt sich auch die Ozonschicht nicht in dem Maße wie ursprünglich prognostiziert. Das bedeutet, dass die UV-Belastung für jeden Einzelnen steigen kann und damit auch das Risiko für ernsthafte Erkrankungen der Haut und der Augen.

Sonnenschutz auch im öffentlichen Raum berücksichtigen

Das BfS rät Menschen, denen es aus beruflicher Sicht möglich ist, zum Schutz vor UV-Strahlung starke Sonne zunächst zu meiden. Ansonsten hilft geeignete Kleidung mit hohem Lichtschutzfaktor und sich mit Sonnenmilch mit hohem Lichtschutzfaktor einzucremen. Neben dem individuellen Schutz spielen aber auch die Rahmenbedingungen eine Rolle. Das BfS setzt sich gemeinsam mit weiteren Partnern im UV-Schutz-Bündnis dafür ein, dass bei Planungen schattige Flächen berücksichtigt werden. Darauf sollte demnach zum Beispiel bei Kindergärten und Schulen, Sportstätten, öffentlichen Räumen und Arbeitsplätzen geachtet werden.

Auf der Internetseite des BfS kann sich jeder über die aktuellen UV-Werte in seiner Region informieren.

Jul 31

Hitzefrei eine Option für die Landwirtschaft?

Die Grünen im Bundestag fordern bundesweit gesetzliches Hitzefrei. Wäre das für die Landwirtschaft möglich?

hitzefrei

Foto: geralt/pixabay.com

2018 über Wochen extreme Hitze und Dürre herrschte und daraus Ernteeinbußen folgten, wurden dieses Jahr erneut Temperaturrekorde geknackt. Vergangene Woche stieg in Lingen im Emsland das Thermometer auf 42,6 Grad – die höchste in Deutschland gemessene Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Im ganzen Bundesgebiet kratzte das Quecksilber über Tage an der 40-Grad-Marke. Wer kann, hält sich in kühlen Räumen auf. Doch was ist mit denen, die im Freien arbeiten müssen? Klimaforscher gehen davon aus, dass wir uns an solche Temperaturen gewöhnen müssen. Die Grünen fordern jetzt in ihrem “Hitzeaktionsplan” das Recht auf Hitzefrei bei gesundheitsgefährdenden Temperaturen. Das würde nicht nur zum Beispiel das Baugewerbe betreffen, sondern auch Arbeitnehmer in der Landwirtschaft.

Grüne fordern verbindliches Hitzefrei 

Die Fraktion kritisiert, dass es die Bundesregierung bislang nur bei unverbindlichen Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen belässt. Sie walze die Verantwortung für die Anpassung an Extremwetterereignisse auf die Länder und die Kommunen ab, so die Grünen. Laut den Forderungen sollten zum Beispiel Angestellte das Recht auf Home Office bekommen, wenn aus betrieblichen Gründen dem nichts entgegenstehe. Für Arbeitnehmer, die im Freien arbeiten, wie Bauarbeiter, Gebäudereiniger oder eben Landarbeiter, fordert die Partei bundesweit gesetzlich geregeltes Hitzefrei.

Landwirte müssen sich mit der Hitze arrangieren

Laut “Hamburger Abendblatt” reagierte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken auf die Forderung der Grünen: „Landwirte tragen Verantwortung für die Ernte, für die Pflanzenbestände und vor allem auch für ihre Nutztiere. Das hat Vorrang, den Luxus ‚Hitzefrei‘ können wir uns in der Regel nicht leisten.“

Landwirten bleibt nur, sich und ihre Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und die Arbeitszeiten anzupassen. Heinz-Peter Frehn Geschäftsführer des Gurkenhof Frehn im Spreewald erklärte dem “Spiegel”: Wenn Hitzefrei für meine Pflücker Pflicht wäre, dann würde es keine Spreewaldgurken mehr geben.” Seine Mitarbeiter würden so gut es geht vor der Sonne geschützt, so Frehn weiter. Dazu gehören Planen über dem Gurkenflieger, Sonnencremes und Getränke. Des Weiteren richtet er die Gurkenflieger so aus, dass sie gegen den Wind fahren. Mehr könne er nicht tun. “Wir fangen allerdings schon frühmorgens um 5 Uhr an, sodass wir bis maximal 13.30 Uhr fertig sind. Da kommen die Erntehelfer nicht in die ganz große Mittagshitze”, fügt er gegenüber dem “Spiegel” hinzu.

Jul 24

Brände in der Arktis haben weltweite Auswirkungen

Die Brände, die derzeit rund um die Arktis wüten, haben Auswirkungen auf die gesamte Erde.

Foto: Aqua and Terra MODIS data through NASA Worldview, processed by Pierre Markuse/CC by 2.0

Foto: Aqua and Terra MODIS data through NASA Worldview, processed by Pierre Markuse/CC by 2.0

In der Nähe des Polarkreises kommt es immer wieder zu Flächenbränden. Doch die Brände in diesem Jahr nehmen enorme Ausmaße an. Betroffen ist sowohl der europäische Kontinent als auch der nordamerikanische. Die Lage ist unübersichtlich. Laut dem Wissenschaftsmagazin “Spektrum” toben alleine in Alaska 350 Brände.

Brände sorgen für einen Teufelskreis

Die US-Raumfahrtbehörde NASA warnt, dass die Brände der Torfflächen und Wälder katastrophale Auswirkungen auf den ganzen Planeten haben werden. Nicht nur, dass die riesigen Feuer extrem viel CO2 produzieren. Die unteren Schichten der Böden in diesen Regionen sind ständig gefroren. Man spricht von Permafrostböden. Verbrannte Oberflächen absorbieren mehr Sonnenlicht als unverbrannte. Das heißt, dass sich die Erde dort mehr aufheizt. Dazu kommt, dass sich auf den arktischen Eisflächen Russpartikel absetzen. Die Abstrahlung der Sonne wird auch hier schwächer. Das Eis schmilzt, der Meeresspiegel wird schneller ansteigen. Die Flächenbrände sind eine Auswirkung des Klimawandels, den sie gleichzeitig beschleunigen – ein Teufelskreis.

Arktis könnte durch Beschneiung gerettet werden

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat vergangene Woche eine Studie vorgestellt, derzufolge das ewige Eis gerettet werden könnte. Besonders betroffen von der Schmelze ist das westarktische Eisschild. Experten befürchten zwar, dass die Flächenbrände den Anstieg des Meeresspiegel beschleunigen, die Entwicklung wird aber schon längere Zeit beobachtet. Die Lösung wäre laut der Forscher technisch erzeugter Schnee. Mit Billionen Tonnen zusätzlichen Schnees, erzeugt aus Meerwasser, könnten die instabilen Gletscher beschneit werden. “Das würde beispiellose Ingenieurslösungen erfordern”, so die Wissenschaftler. Sie lenken aber gleichzeitig ein, dass ein solcher Eingriff Auswirkungen auf die unberührten Regionen rund um die Arktis hätte.

Das Hochpumpen, Entsalzen und die Erwärmung des Meerwassers sowie das Betreiben der Schneekanonen würden eine Strommenge in der Größenordnung von mehreren zehntausend High-End-Windturbinen erfordern. „Im Kern geht es um die Abwägung, ob wir als Menschheit die Antarktis opfern wollen, um die heute bewohnten Küstenregionen und das dort entstandene und entstehende Kulturerbe zu retten“, so Studienautor Anders Levermann.

Jul 10

Bundesregierung: Beim Ausgleich der Waldschäden Klimawandel berücksichtigen

Deutschlands Wälder sind durch den Klimawandel enorm geschädigt. Klöckner und Merkel kündigten Hilfe für Waldbesitzer an.

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Foto: pixabay

Die Wälder sind nicht nur durch Waldbrände aufgrund der trockenen Witterung gefährdet. Auch Stürme und Schädlinge schaden den Bäumen. Da das alles Folgen des Klimawandels sind, sieht Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dringenden Handlungsbedarf. Sie fordert, dass die Bundesregierung die Wiederaufforstung unterstützt. „Einen vergleichbaren Waldverlust hat es in der Vergangenheit kaum gegeben“, so die Politikerin zur Nachrichtenagentur dpa. In den Achtziger Jahren habe das Thema Waldsterben alle beschäftigt.” Sie kritisiert, dass jetzt niemand mehr davon redet. Laut Ministerium müssten 110.000 Hektar Wald ausgeglichen werden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, hat die Situation in einem jüngst veröffentlichten Video-Podcast thematisiert: Man solle den Waldbauern unter die Arme greifen.

Wälder für den Klimawandel fit machen

Klöckner strebt an, ein „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“ aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) der Bundesregierung zu finanzieren, wie sie der dpa weiter sagte. Den Fonds hat die Bundesregierung eingerichtet, um die Energiewende zu beschleunigen. Er umfasst derzeit 4,5 Milliarden Euro. Derzeit wird das Geld hauptsächlich für etwa erneuerbare Energien und Elektromobilität verwendet. Der Waldklimafonds steht zur Verfügung, um die Anpassung der Wälder an den Klimawandel zu fördern. Er ist Teil des EKF.

Verbände zählen auf Bundesregierung

Der Verein “Familienbetriebe Land und Forst” und der Waldeigentümer-Verband begrüßen, dass sich Klöckner und Merkel für eine Unterstützung der Waldeigentümer ausgesprochen haben. “Die Betriebe können dies infolge der immensen und großflächigen Schäden allein oft nicht mehr leisten”, sagte Waldeigentümer-Präsident Hans-Georg von Marwitz. Teilweise seien komplette Ökosysteme bedroht.

Der Energie- und Klimafonds sei nach Einschätzung der beiden Verbände genau der richtige Absender für das Hilfsprogramm. Denn der Wald muss nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, für den Klimawandel fit gemacht werden, er speichert andererseits auch CO2 und dämmt so den Klimawandel ein.

Jul 03

Jetstream: Die Ursache für die Hitzewellen

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die geballten Hitzewellen aber auch Unwetter an der Veränderung des Jetstreams liegen.

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Foto: pixabay

Vergangene Woche leideten viele Menschen erneut unter der großen Hitze. In einigen Regionen Deutschlands kletterte das Thermometer auf über 40 Grad Celsius. Die Hitzewellen häufen sich. Forscher haben in einer internationalen Studie unter der Federführung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung herausgefunden: Die Ursache ist in einer Veränderung des Jetstreams zu suchen.

Schwächerer Jetstream sorgt für Hitzewellen

Der Jetstream ist ein starker Wind, der sich in etwa 10 Kilometern Höhe von West nach Ost bewegt und große Wettersysteme transportiert. Die Luftströmung kann schwächer werden und große Schlängelungen entwickeln. Diese können manchmal über Wochen an einer Stelle verharren. Dann kann aus ein paar warmen sonnigen Tagen eine Hitzewelle oder Dürren entstehen, so wie vergangenes Jahr. Gleichzeitig können aus ein paar regnerischen Tagen Fluten werden. „Unsere Studie zeigt, dass die spezifischen Orte und der Zeitpunkt der Wetterextreme im Sommer 2018 nicht zufällig waren, sondern direkt mit dem Entstehen eines sich wiederholenden Musters im Jetstream verbunden waren”, erklärt Leitautor Kai Kornhuber.

Veränderung des Jetstreams ist nicht ungewöhnlich 

Ganz neu ist die Veränderung des Jetstreams nicht. Die brisanten Windmuster waren auch in früheren Sommern mit Wetterextremen vorhanden. „Wir sehen einen starken Zusammenhang zwischen dem Windmuster und den anhaltenden Hitzeextremen in Westeuropa, Nordamerika und der Region um das Kaspische Meer. Das beobachtete Muster war auch in früheren Jahren mit extremen Wetterereignissen zu beobachten – etwa in den Hitzejahren 2003, 2006 und 2015.

Abschwächung durch Klimawandel

Laut der Wissenschaftler hat die Häufigkeit allerdings in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen. “In den zwei Jahrzehnten vor 1999 gab es keine Sommer, in denen wir dieses Muster der stockenden Wellen über eine Dauer von zwei Wochen oder noch länger hatten”, so Co-Autor Dim Coumou. Aber seitdem konnte man bereits sieben extreme Sommer beobachten.

Die Forscher erwarten, dass das beobachtete Wellenmuster durch den Klimawandel und die menschengemachte globale Erwärmung in Zukunft häufiger auftreten wird. Dafür gibt es physikalische Ursachen: Landmassen neigen dazu, sich schneller zu erwärmen als Meeresgebiete. Das wiederum führt zu einem größeren Temperaturunterschied zwischen Landmassen und Ozean. „Das Entstehen des Wellenmusters könnte durch diesen erhöhten Temperaturkontrast zwischen Landmassen und Ozean begünstigt werden. Ein weiterer relevanter Faktor könnte sein, dass der Nordatlantik kühler ist, als er sein müsste, wahrscheinlich als Folge der Verlangsamung des Golfstroms.

Jun 12

Der Wein flüchtet vor dem Klima

Die französische Weinregion Bordeaux hat ein Klima-Problem. Aufgrund der klimatischen Veränderungen wird der berühmte Wein dort bald nicht mehr angebaut werden können.

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Foto: pixabay (Symbolbild)

Experten warnen mit mehr oder weniger dramatischen Prognosen vor einem weiteren Hitzesommer in diesem Jahr. Tatsache ist, dass sich das Klima wandelt. Hitzewellen dauern länger an, dazwischen wüten Unwetter und Stürme. Weintrauben sind besonders empfindlich. Bodenbeschaffenheit, Durchschnittstemperatur und zum Beispiel auch Luftfeuchtigkeit müssen genau stimmen. Von diesen Faktoren hängt vor allem der Geschmack und somit die Qualität des Weines ab. In Frankreich kämpfen Winzer mit den Veränderungen des Klimas. Die Weinbauunternehmen in der Region Bordeaux in Frankreich befürchten, dass sich ihr berühmter Bordeaux-Wein in Qualität und Geschmack verändert und nicht mehr an Kenner verkauft werden kann.

Klima zu heiß für berühmten Bordeaux-Wein?

In der Region Bordeaux wird der vollmundige Merlot angebaut. Dieser braucht ein gemäßigtes Klima: Warme, nicht zu heiße Sommer und regelmäßige Niederschläge. Wie der Autor Fabian Federl in der Süddeutsche Zeitung (SZ) schreibt, beobachtet man in der Region besorgt die Veränderung des Klimas. Es ist einfach zu heiß und zu trocken für die Sorte. Experten gehen davon aus, dass man in einigen Jahrzehnten die Weine dort nicht mehr anbauen kann.

Muss das Anbaugebiet verlagert werden?

Die SZ zitiert die Agrarwissenschaftlerin Agnès Destrac-Irvine. Die Doktorandin macht demnach zwei Vorschläge: Das Anbaugebiet mit dem Namen Bordeaux müsse weiter nach Norden rücken oder die Rebsorten, welche die Bordeaux-Weine ausmachen, müssten ausgetauscht werden. Das erste Szenario würde bedeuten, dass sogar in Deutschland die Sorten, für die Bordeaux so berühmt ist, angebaut werden könnten. Für Destrac-Irvine sind das allerdings keine Zukunftsszenarien. Die SZ zitiert die Wissenschaftlerin weiter: “Ein Wandel besteht nicht bevor – er ist schon da.” Beide von Destrac-Irvine beschriebenen Szenarien würden den Ruf der Weinregion zerstören.

Jun 05

Wie heiß wird der Sommer wirklich?

Seit Monaten wird in den Medien vor der nächsten “Hitzekatastrophe” im kommenden Sommer gewarnt. Doch wie hoch ist das Risiko wirklich?

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Foto: pixabay

Der Sommer 2018 ist noch jedem in Erinnerung. Die Landwirtschaft hat noch immer mit den Schäden, die durch die Dürre entstanden sind, zu kämpfen. Seit einigen Monaten warnen Experten immer wieder davor, dass sich die Hitze im kommenden Sommer wiederholen wird. Verlässliche Wetterprognosen über Monate sind allerdings schwierig. Wie heiß wird der Sommer tatsächlich?

Mai war zu kühl

Obwohl man vielerorts die derzeitigen Temperaturen als schwül empfindet, war der Mai laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sogar zu kühl – der erste Monat seit 13 Monaten, in dem die Temperaturen unter dem Durchschnitt lagen. Konkret lag der Mai mit 10,9 Grad Celsius um 1,2 Grad unter dem Wert der Referenzperiode 1961 bis 1990. Vor alIem die erste Monatshälfte verlief ungewohnt kühl. Die Natur ist dennoch “verwirrt”. Durch die überdurchschnittlich warmen Vormonate fing die Vegetation in diesem Jahr früher an, sich zu entwickeln. Durch die kühleren Tage und Nächte im Mai geriet sie wieder ins stocken.

Prognose für Sommer aufgebauscht?

In den Medien ist seit Monaten schon von der “nächsten Hitzekatastrophe” oder vom kommenden “Horror-Sommer” zu lesen. Die Meldungen berufen sich unter anderem auf eine Langzeitprognose des privaten US-amerikanischen Wetterdienstes “accuweather”, der vor Extrem-Hitze warnt. Der DWD sieht die Entwicklung in den kommenden Monaten nüchterner.

Abgesehen vom Mai, der rein rechnerisch zu kühl war, erkennt man in den vergangenen Monaten eine zu trockene Tendenz. „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden“, erklärt DWD-Agrarmeteorologe Dr. Udo Busch. “Dann würde die Landwirtschaft in Deutschland auch 2019 wieder mit Ertragseinbußen rechnen müssen”, so Busch weiter.

Wetterexperte Jörg Kachelmann kritisiert in einem Interview mit meedia, dass sogar die fundierten Prognosen des DWD von manchen Medien aufgebauscht würden. Von Schlagzeilen wie “Sahara-Sommer” oder “Mega-Dürre” will er nichts wissen. “Der Deutsche Wetterdienst hat nie behauptet, dass es einen Dürresommer gäbe. Er schrieb nur, dass es einen geben könnte, wenn es nicht regnet, was nicht weiter überrascht”, fasst Kachelmann die Fakten zusammen.

Mit CYA-App Ernteertrag genau analysieren

Für Landwirte ist das Wetterrisiko besonders wichtig. Um das Risiko durch Wettereinflüsse zu minimieren steht die CYA-App zur Verfügung. Sie wurde von der Chemnitzer CYA GmbH entwickelt. Das Kürzel CYA steht für “Crop Yield Analysis”, das übersetzt nicht anderes heißt, als “Ernteertragsanalyse”.Das tatsächliche Wetterrisiko können Nutzer anhand von Echtzeitdaten und der Wetterhistorie analysieren.

Die CYA-App hilft Landwirten, den Ernteerfolg aber auch das Risiko für ihren eigenen Bestand zu analysieren. Die mobile Anwendung übermittelt die Ertragsdaten an den CYA-Server. Dort werden die aktuellen Daten vom Bestand und die Daten aus der Wetterhistorie zusammengeführt und analysiert. Aus vielen möglichen Wettergefahren ermittelt das System die Gefahr mit dem größten Einfluss auf die Ernte. Mit der App hat der Landwirt die Berechnungen des CYA-Servers jederzeit und an jedem Ort im Blick.

Mai 01

Klimawandel ist regionaler als bisher angenommen

Klimamodelle werden vor allem global konstruiert. Wissenschaftler der Uni Hohenheim erforschen nun den Klimawandel auf Basis regionaler Daten in Zusammenhang mit Kulturpflanzen.

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Foto: pixabay (Symbolbild)

Während der Klimawandel vor allem global beobachtet wird, beschäftigen sich seit sieben Jahren Forscher der Universität Hohenheim mit dem “regionalen Klimawandel”. Bislang verwendeten die Klimamodelle bei der Landnutzung den aus Satellitenbildern abgeleiteten aktuellen Stand aus Referenzjahren. Dabei wird die Entwicklung konstant bis ins Jahr 2100 simuliert. Die Stuttgarter Wissenschaftler halten das für unrealistisch. Der Klimawandel spielt sich regionaler ab und in verschiedenen Regionen in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Um die Klimaentwicklung auf regionaler Basis analysieren zu können, greifen die Forscher auf  Temperaturen, Niederschläge, Bodenwasser, Energie, CO2, verschiedene Pflanzeneigenschaften und die organische Substanz im jeweiligen Boden zurück.

Kulturpflanzen beeinflussen Klimawandel

“Die Vegetationsentwicklung ändert sich in Reaktion auf den Klimawandel”, erklärt Prof. Dr. Thilo Streck. Und die Vegetation ist in verschiedenen Regionen unterschiedlich. „Bei frühdeckenden Kulturen wie Wintergetreide ist der Wasser- und Energieaustausch mit der Atmosphäre anders zeitlich verteilt als etwa bei Mais“, so der Wissenschaftler. Und das habe Einfluss auf Wetter und Klima.

Zwei unterschiedliche Modellregionen

Zwei unterschiedliche Landschaften Südwestdeutschlands dienen als Modell: der Kraichgau und die Mittlere Schwäbische Alb. Sie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht: Der Kraichgau wird intensiv ackerbaulich genutzt und weist ein mildes Klima auf, die Mittlere Schwäbische Alb dagegen ist kühler, niederschlagsreicher und wird vor allem als Grünland genutzt. Die Forschungsgruppe “Regionaler Klimawandel” beobachtet exemplarisch, wie sich diese Agrarlandschaften unter dem Klimawandel künftig entwickeln.

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