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Apr 20

30 Jahre danach: Was bleibt von Tschernobyl?

Foto: WDR/Ranga Yogeshwar

Foto: WDR/Ranga Yogeshwar

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auch 30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl alles unter Kontrolle.

Am 26. April 1986 änderte sich das Verständnis für Atomkraft auf einen Schlag. Ein Sicherheitstest führte zum unkontrollierten Leistungsanstieg im Block 4 des Kernkraftwerkes und schließlich zu Explosion – etwa 1.700 Kilometer von München entfernt.

Über drei Wolken kam die Radioaktivität nach Deutschland. Betroffen waren vor allem Bayern und der Schwarzwald. Experten schätzen ein, dass Deutschland von der Verstrahlung nichts gespürt hätte, wenn es nicht geregnet hätte. Hat es aber, noch am gleichen Tag. Die Folgen: Wiesen, Wälder und Seen wurden kontaminiert.

Obwohl in Tschernobyl selbst die Werte noch als lebensbedrohlich eingeschätz werden, kommt mit dem Wetter heute nichts mehr nach Deutschland. Böden sind allerdings immer noch belastet, vor allem in Wäldern. Das liegt daran, dass Waldböden, im Gegensatz zu Wiesen und Feldern, nicht bearbeitet werden. Obwohl im Handel noch kein belastetes Fleisch gefunden wurde, geht man davon aus, dass gerade Wildschweine aufgrund ihres Fressverhaltens verseucht sind.

DWD Informationdrehscheibe für Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst war nach der Reaktorkatastrophe ein wichtiger Informationsgeber im Katastrophenmanagement und ist heute noch mit der Messung von Radioaktivität beschäftigt. Das Informationswesen, das man nach der Katastrophe von Tschernobyl aufgebaut hat, war auch 2011 nach dem Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima von Bedeutung.

Seit 1986 konnte der DWD sein Messnetz von 12 auf 48 Mess-Stellen erweitern. „Neueste Technik ermöglicht es heute bereits, ein Millionstel der damals durch Tschernobyl verursachten Radioaktivität aufzuspüren“, so DWD-Referatsleiter Dr. Thomas Steinkopff. Auch ein Messflugzeug steht zur Verfügung.

Mehrmals im Jahr führt der DWD Ernstfall-Übungen durch. Innerhalb weniger Minuten können Ausbreitungsberechnungen zur Abschätzung der Konzentration in Luft und Niederschlag durchgeführt werden. Sogar Rückwärtsprojektionen sind möglich. Sie lassen erkennen, woher die Radioaktivität ursprünglich kam.

Der Fall Fukushima habe gezeigt, wie gut der DWD mittlerweile aufgestellt ist, so Steinkopff weiter. Tatsächlich konnte man damals exakt vorhersagen, wie viele Tage es brauchen wird, bis die extrem verdünnten Emissionen aus Fukushima auch über Deutschland nachweisbar sind.


TV-Tipps: Der WDR zeigt am 26. April um 21 Uhr in der Sendung „Quarks & Co“ „Tschernobyl – die verdrängte Katastrophe“. Das ZDF beschäftigt sich am 24. April um 23.30 Uhr in „ZDF History“ mit der Katastrophe: „Das Tschernobyl-Vermächtnis“.

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