Kategorienarchiv: Lasst uns übers Wetter reden!

Feb 21

Extremwetter: Umfrage unter Landwirten zu Schäden

Mithilfe von betroffenen Betrieben entwickelt das Julius-Kühn-Institut ein Monitoring zu Extremwetterschäden.

ExtremwetterDas Julius Kühn-Institut (JKI) baut zusammen mit sechs Partnern ein Monitoring zum Erfassen von Extremwetterschäden, wie Hagel- oder Sturmschäden, auf. Landwirte werden gebeten, an einer Umfrage zu Schäden teilzunehmen. Ziel ist es, Betriebe künftig besser beraten zu können, womit in ihrer Region tatsächlich zu rechnen ist und was man vorbeugend tun kann. Angesprochen sind Produzenten sämtlicher land-, obst- und gartenbaulicher Freilandkulturen in ganz Deutschland. Neben einer für landwirtschaftliche Betriebe zugeschnittenen Versicherung, einer Sachversicherung oder Gebäudeversicherung spielt das Risikomanagment eine große Rolle.

Werkzeuge für Landwirte und Berater

Das EMRA genannte System soll letztlich eine Sammlung von Werkzeugen werden, welches Landwirte und Berater beim Management von Extremwetterereignissen unterstützt. Zentraler Baustein ist die Sammlung von Meldungen über bereits aufgetretene Schäden durch Wetterextreme in Deutschland.

Das Ausfüllen dauert ungefähr 5 bis 10 Minuten. Alle Daten werden in anonymisierter Form erfasst und ausgewertet. Die Ergebnisse der Umfrage werden nach Abschluss auf dem EMRA-Webportal http://emra.julius-kuehn.de veröffentlicht. Dort sind ab März 2018 auch weitere Hintergrundinformationen zum Projekt verfügbar.

An der Umfrage kann hier teilgenommen werden.

Feb 14

Deshalb bringt der Klimawandel mehr Starkregen

Extremwetterereignisse nehmen zu, die Menschen wünschen sich einen professionellen Umgang mit den Folgen. Weiterlesen »

Feb 07

Klimawandel auch für Kälte verantwortlich

Ein Naturphänomen bringt arktische Kälte in andere Regionen.

Klimawandel

Foto: pixabay

Der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA ist es gelungen, eine globale Karte mit den Bodentemperaturen im Vergleich zu vergangenen Jahren zu erstellen. Die Daten vom 26. Dezember 2017 bis 2. Januar 2018 werden dabei mit Aufzeichnungen aus den Vergleichszeiträumen von 2001 bis 2010 verglichen. Die Studie bestätigt, was Experten aus Umweltschutz und Klimaforschung schon längst vermuteten: Die Temperaturen stiegen innerhalb dieser vergleichsweisen kurzen Zeit. Aber nicht nur! Die Karte zeigt auch, dass das Wetter verrückt spielt. Denn der Klimawandel sorgt nicht nur für Erwärmung.

Während Kalifornien um die Jahreswende von heftigen Wald- und Flächenbränden heimgesucht wurde, versank die Ostküste der USA in Schneemassen – zwei Extreme. Das Problem: Genau mit solchen Kälteperioden argumentieren Klimaskeptiker. Doch diese sind genauso das Ergebnis des durch den Treibhausgaseffekt angetriebenen Klimawandels wie die Erderwärmung.

Arktis verlagert die Kälte

Die Wissenschaftlerin Marlene Kretschmer vom Potsdamer Institut für Klimaforschung erklärte in einem Interview mit “The Weather Channel” den Vorgang. “Es gibt Hinweise”, sagte sie, “dass das Eisschmelzen im arktischen Ozean zu den Kältewellen an anderen Orten beiträgt.” Als Grund dafür sieht Kretschmer den Polarwirbel, der normalerweise die kalte Luft über der Arktis einschließt. Sei dieser geschwächt, so die Forscherin, könne die kalte Luft aus der Arktis entweichen und in niedrigeren Breiten zu extremer Kälte führen. Extreme Temperatureinbrüche beschränken sich aber derzeit nur auf die Ostküste Nordamerikas. Global gesehen sei es deutlich wärmer als üblich, so Kretschmer.

Jan 31

Landwirte bräuchten dringend Frost

Der Wettertrend ist derzeit deutlich zu mild. Pflanzenbaubetriebe bräuchten allerdings Frost.

Fpto: pixabay

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Landwirte bräuchten dringend Frost. Der Grund: Wenn jetzt der Boden gefriert, können im Frühjahr die Felder mit den Landmaschinen leichter bestellt werden. “Gibt es keinen Frost, muss der Boden stärker bearbeitet werden”, erklärte Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz der Deutschen Presseagentur dpa.

Während im Winter 2016/2017 die Temperaturen flächendeckend weit unter die Nullgradgrenze sanken, gab es Anfang Dezember des vergangenen Jahres nur zwei Frostnächte. Der Frost drang tiefer in den Boden ein. “Das ersparte uns Zeit und Arbeit”, zitierte die “Welt” aus dem dpa-Interview.

Dass Frost den Boden lockert ist physikalisch zu erklären. Da Eis ein größeres Volumen hat als Wasser, werden große Erdklumpen gesprengt. Der Boden wird lockerer, man erspart sich viel Arbeit mit dem Grubber. Auch die Schlammkruste, die sich bei lehmigen Böden bildet, wird durch Frost aufgebrochen.

Blüten brauchen Kältereize

Wenn die Temperaturen so mild bleiben, wird das vor allem Auswirkungen auf das Wintergetreide haben. Denn nur mit Kältereizen kann das Getreide Blüten bilden. “Kältetechnisch befinden wir uns auf der Kante», sagte Herbert Netter vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau ebenfalls zur dpa. Er befürchtet, dass alles unterpflügt und neu gesät werden muss, wenn in nächster Zeit kein Frost kommt.

Der Deutsche Wetterdienst macht allerdings wenig Hoffnung. Zumindestens bis Mitte Februar wird es mild bleiben. Lediglich oberhalb von 600 Metern kommt es zu leichtem Dauerfrost. Im Flachland sinken die Temperaturen nachts zwar auf knapp unter Null, tagsüber steigen sie aber in weiten Teilen auf bis zu 7 Grad Celsius.

Jan 24

Diplom-Meteorologe: “Schwere Stürme werden in Europa künftig häufiger auftreten”

Müssen wir uns an schwere Stürme gewöhnen? die-wetterversicherung.de sprach mit einem Diplom-Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes.

Waldschäden nach “Friederike” in NRW. Foto: Jan Preller/Wald und Holz NRW

Waldschäden nach “Friederike” in NRW. Foto: Jan Preller/Wald und Holz NRW

Das Tief “Frederike” hat in Deutschland schwere Sturmschäden verursacht. Nicht nur abgedeckte Häuser, lahmgelegte Bahnstrecken und Schäden in der Land- und Forstwirtschaft: Auch neun Tote wurden gemeldet. Nur wenige Wochen nach dem Orkantief “Burglind” und auf den Tag genau zehn Jahre nach dem vernichtenden Sturmtief “Kyrill” brachte“Friederike” bereits das zweite schwere Unwetter in diesem Jahr nach Deutschland.

Der Landesbetrieb Wald und Forst NRW warnt in einer aktuellen Pressemitteilung davor, Wälder zu betreten. Genügt eine Elementarversicherung oder müssen wir uns tatsächlich grundsätzlich an Wetterereignisse, wie man sie aus vom amerikanischen Kontinent kennt, gewöhnen? die-wetterversicherung.de fragte den Diplom-Meteorologen Thomas Kesseler-Lauterkorn vom Deutschen Wetterdienst (DWD), ob wir uns künftig mit solchen schweren Stürmen auseinandersetzen müssen.

Werden die schweren Stürme und Orkane häufiger oder ist das ein subjektives Empfinden?
Kesseler-Lauterkorn:
Wenn man sich die Langzeitstatistiken ansieht, findet man keinen eindeutigen Trend, dass Winterstürme häufiger auftreten als früher. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren gab es immer wieder Häufungen. Das war Anfang der 90er Jahre so und auch nach der Jahrtausendwende. Das Sturmtief “Kyrill” war dann 2007 der Höhepunkt. Danach war es wieder ruhiger.

Befinden wir uns derzeit in so einer Serie?
Kesseler-Lauterkorn:
Ja, das meine ich schon. In den vergangenen Monaten waren die Stürme aktiver als in vielen Jahren zuvor.

Wenn man 50 bis 60 Jahre zurückblickt?
Kesseler-Lauterkorn:
Da hat es bei uns noch nicht so viele schwere Sturmtiefs gegeben.

Wie kommt es zu Anhäufungen von derartigen Sturmereignissen?
Kesseler-Lauterkorn:
Das liegt an der Witterung, an der Großwetterlage, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten eingestellt hat. An den relativ milden Temperaturen merkt man, dass derzeit eine Westwetterlage dominiert. Durch diese ist die Chance größer, dass Sturmtiefs vom Atlantik auf Mitteleuropa übergreifen. Da ist dann schon einmal so ein markantes Sturmtief wie “Friederike” dabei. In anderen Winter hingegen kommen die Luftströmungen aus anderen Richtungen. In solchen Perioden spielt der Atlantik eine geringere Rolle.

Auswirkungen des Klimawandels?
Kesseler-Lauterkorn:
Jein. Während die Temperaturzunahme laut Statistik eindeutig ist, kann man es bei den Stürmen nicht genau sagen. Den neuesten Forschungsergebnissen zufolge gehen wir von einer künftigen Zunahme von schweren Stürmen in West- und Mitteleuropa aus.

Also doch eine Zunahme?
Kesseler-Lauterkorn:
In Zukunft werden die Stürme schon mehr werden. Wir sprechen dabei vom Zeitraum 2020 bis Ende des Jahrhunderts. Bei der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte ist der Kontext zum Klimawandel noch nicht eindeutig. Die Entwicklung ist meiner Meinung nach etwas mit Vorsicht zu genießen. Aber die Erkenntnisse sagen, dass es möglich ist, dass wir uns in den nächsten Jahrzehnten auf häufigere Sturmereignisse einstellen müssen.

Mehr zum Klimawandel findet man auf der DWD-Internetseite im Nationalen Klimareport des Deutschen Wetterdienstes (PDF).

Jan 10

Diese Schäden verursachte Sturmtief “Burglind”

Im Vergleich zu anderen Extremwetterereignissen aus der jüngeren Vergangenheit war “Burglind” kein Rekordsturm, hinterließ aber trotzdem schwere Schäden.

Foto: pixabay (Symbolbild)

Foto: pixabay (Symbolbild)

Gesperrte Bahnstrecken, überflutete Straßen, umgestürzte Bäume, Starkregen, regionsübergreifende Unwetterwarnungen: Zu Jahresbeginn zog das Sturmtief “Burglind” über Europa. In Deutschland waren vor allem der Süden und der Westen betroffen. Im Nordschwarzwald wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h gemessen. Die großen Flüsse, wie Rhein und Donau, traten über die Ufer. In Saarbrücken musste sogar einige Tage lang die Stadtautobahn, die unmittelbar an der Saar verläuft, komplett gesperrt werden. Die Mosel war für Schiffe nicht passierbar. Inzwischen gehen die Pegelstände wieder zurück.

Der Gesamtverband der Deutschen Versichicherungswirtschaft (GDV) schätzt den Gesamtschaden auf “deutlich weniger als eine halbe Milliarde Euro” ein – ein schwerer, aber kein Rekordsturm.

“Kyrill” bislang schwerster Wintersturm

Der verheerendste Wintersturm der vergangenen 20 Jahre ist immer noch “Kyrill”, der im Januar 2007 mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h über Europa fegte. Das Tiefdruckgebiet entstand – wie “Burglind” auch – über dem Atlantik und hinterließ in Deutschland Schäden von rund 2 Milliarden Euro. Im Ranking der Winterstürme folgen die Tiefs Lothar 1999 mit 800 Millionen Euro und “Jeanett” 2002 mit rund 760 Millionen Euro.

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Jan 03

Ist Biomasse nicht klimaneutral?

Wissenschaftler sind sich in einer Studie sicher, dass Biomasse zur Gewinnung von Bioenergie Auswirkungen auf den Treibhauseffekt hat.

Foto: pixabay

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Wälder und Pflanzen sind wichtig für die Speicherung von Kohlenstoff. Wissenschaftler beschäftigen sich schon länger mit der Auswirkung von Abholzung auf den Klimawandel. Einer neuen Studie im Fachjournal „Nature“ zufolge speichern Pflanzen in Landökosystemen weltweit rund 450 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Die Forscher sind sich aber sicher: Das ist weniger als die Hälfte dessen, was theoretisch möglich wäre. Sie sehen dafür den vermehrten Einsatz von Biomasse, auf den die Klimapolitik setzt, als Ursache.

Wie sich die Abholzung von Wäldern für die Umwandlung in Ackerland auf die Kohlenstoffbilanz der Erde und den Klimaschutz auswirkt, sei relativ gut quantifiziert, so die Forscher. In der Studie haben sie aber erstmals für alle Arten der Landnutzung berechnet, wie sie sich auf die durch Pflanzen gespeicherte Kohlenstoffmenge auswirken.

Biomasse klimapolitisch überschätzt?

„In einer hypothetischen Welt ohne Landnutzung würde die Vegetation rund doppelt so viel Kohlenstoff speichern“, erklärt Dr. Thomas Kastner vom Senckenberg Forschungszentrum, das neben der Universität Klagenfurt, dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie und dem Max-Planck-Instituts für Meteorologie an der Studie beteiligt war.

Der Unterschied zwischen möglicher und tatsächlich gespeicherter Kohlenstoffmenge resultiert laut den Forschern ungefähr zur Hälfte aus der Abholzung der Wälder und anderen Veränderungen der Landbedeckung. Die andere Hälfte ist auf die Effekte der Forstwirtschaft sowie der Beweidung natürlicher Grasländer zurückzuführen, wobei zwei Drittel auf die Forstwirtschaft entfallen.

Die Wissenschaftler: „Zwar ersetzt Biomasse als Rohmaterial und in der Energieversorgung fossile Ressourcen, ihre Nutzung kann aber dazu führen, dass die bewirtschafteten Flächen beträchtliche Mengen an Treibhausgasen emittieren.“ Dafür spreche, dass letzteres vor 1800 – also vor der Industrialisierung mit ihren Emissionen aus Fossilenergie – stattgefunden hat.

Noch nicht ausreichend erforscht

Darüber hinaus sehen die Autoren beim Schutz der Kohlenstoffbestände in der Vegetation noch gravierende Unsicherheiten und Datenlücken. „Wir können derzeit nur in gemäßigten Klimazonen mit ausreichender Sicherheit nachweisen, ob Aufforstung und andere Maßnahmen den Bestand von Biomasse steigern.“, sagt Kastner. In dieser Region seien die erzielbaren Effekte allerdings gering. Die größten Potenziale ortet er in den tropischen Wäldern. Dort sei es bislang schwierig, sicher zu belegen, ob sich der Biomassebestand erhöht. Ein verbessertes Monitoring sei daher nötig, um ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis der Maßnahmen zu erreichen“, so der Wissenschaftler.

Dez 27

Landwirte investieren mehr in Solar- und Windenergie

Landwirte setzen mehr auf Wind- und Sonnenenergie als auf Biogas.

Foto: pixabay

Foto: pixabay

Die Investitionen von Landwirten in regenerative Energien bewegen sich nach einem Tiefpunkt wieder aus der Talsohle. Das teilt die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) mit. Für dieses Jahr wird demnach ein Investitionsvolumen von 1,4 Milliarden Euro erwartet, das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von 31 Prozent.

Wie aus einer Erhebung des Forschungsinstituts Produkt+Markt weiter hervorgeht, sind 2017 insbesondere die geplanten landwirtschaftlichen Investitionen in Photovoltaik- und Windkraftanlagen gestiegen. In dem leichten Aufschwung sieht AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer einen Hoffnungsschimmer für die Energie- und Klimaziele, also den Umweltschutz. „Die dezentralen Akteure im ländlichen Raum wie auch in den Städten müssen zu weiteren Investitionen in die Erneuerbaren ermutigt werden – mit den richtigen Rahmenbedingungen“, erklärt Vohrer.

Solarstrom und Windenergie überholen Biogas

Die Nachfrage der Landwirte nach Erneuerbare-Energien-Anlagen zur Stromerzeugung wächst insbesondere bei Windkraft und Photovoltaik. Im Vergleich zu 2016 hat sich das Investitionsvolumen in die Windenergie verdoppelt. Die geplanten Investitionen in Photovoltaikanlagen sollen in ähnlicher Größenordnung bei 291 Millionen Euro liegen. Damit wird annähernd wieder so viel investiert wie im Jahr 2013, als Solarstromanlagen noch nicht so günstig waren wie heute. Während die Landwirte zu Zeiten höherer Anschaffungskosten und Einspeisevergütungen insbesondere auf die Netzeinspeisung setzten, nutzen viele die Sonnenenergie nun vermehrt für den Eigenverbrauch.

Das verstärkte Interesse an der Photovoltaik geht häufig einher mit Investitionen in artgerechtere Viehwirtschaft. So eignen sich beispielsweise die großflächigen Dächer moderner Rinder-Laufställe ausgezeichnet für die Installation von Solaranlagen. Die Investitionen im ländlichen Raum in die Gewinnung von Energie aus Biomasse hingegen konnten sich 2017 gegenüber dem Vorjahr nur knapp behaupten.

Dez 20

Niedersachsen genehmigt Gülleausbringung außerhalb der Sperrfrist

Wegen anhaltender Regenfälle im Norden dürfen niedersächsische Landwirte die Gülle vor Ablauf der Sperrfrist ausbringen.

Foto: pixabay (Symbolbild)

Foto: pixabay (Symbolbild)

Das Land Niedersachsen genehmigte die Ausbringung von Wirtschaftsdünger außerhalb der vorgesehenen Sperrfristen. Der Grund: Wegen häufigem Starkregen in den vergangenen Wochen waren landwirtschaftliche Flächen nicht befahrbar. Die Güllelager in vielen Betrieben sind dadurch so gut wie voll. Laut Düngeverordnung wäre eine Ausbringung erst wieder ab 1. Februar 2018 möglich.

„Die Lage ist angespannt, es kann zu sogenannten Havariefällen kommen, bei denen Gülle unkontrolliert ins Erdreich abfließt. Das muss auf jeden Fall verhindert werden.“, so Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies. Das Grundwasser würde verunreinigt werden. Die Ausnahmegenehmigung basiert auf einem Erlass der Ministerien für die Wasserbehörden und die Düngebehörde. Grundlage dafür ist das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), wie Umweltminister Lies erklärt: „Danach ist in einem akuten Notfall das Ausbringen von Gülle auch in der Sperrfrist zu dulden, um größeren Schaden zu verhindern, etwa den Eintrag ins Grundwasser, in Oberflächengewässer oder in die Kanalisation.“

Zuerst Alternativen prüfen

Voraussetzung für die Genehmigung ist, dass die Betriebe nachweislich alle Alternativen geprüft haben, etwa die Lagerung der Gülle in Nachbarbetrieben oder die Aufnahme bei einer Güllebörse oder Biogasanlage. Die Notfall-Maßnahmen dürfen nur nach einzelbetrieblicher Abstimmung mit den Wasserbehörden und der Düngebehörde erfolgen. Hierzu gehört:

  • Es kommen nur durchgängig bewachsene, ebene Flächen für die Ausbringung in Betracht. Dazu zählen Winterraps, Feldgras, Zwischenfrüchte und Grünland.
  • Eine Ausnahmegenehmigung für Trinkwassergewinnungs- und Überschwemmungsgebiete ist nicht möglich.
  • Es dürfen maximal zehn Kubikmeter pro Hektar bodennah ausgebracht werden.
  • Ein Mindestabstand von zehn Metern zu Gewässern ist einzuhalten.

Falls eine Befahrbarkeit der landwirtschaftlichen Flächen weiterhin nicht möglich ist, stelle auch der Bau von provisorischen Güllelagunen eine Möglichkeit dar, Havarien zu verhindern, so die Minister weiter. Güllelagunen sind Erdbecken, die mit Spezialfolie abgedichtet werden. Die Landkreise können diese Maßnahme zur unmittelbaren Gefahrenabwehr in Notfallsituationen dulden. Niedersächsische Betriebe, bei denen eine Notsituation eintritt, sollten sich unverzüglich mit den Wasserbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten sowie mit der Düngebehörde in Verbindung setzen.

Dez 13

Könnten Kohlekraftwerke bald Geschichte sein?

Unterirdische Wärmespeicher könnten mittelfristig fossile Energie teilweise ersetzen.

Foto: Fernwärme-Verbund Saar

Foto: Fernwärme-Verbund Saar

Bis 2050 soll die Energieversorgung in Deutschland zu 60 Prozent aus erneuerbarer Energie gedeckt werden – eine Herausforderung für Politik und Wissenschaft im Kampf gegen den Klimawandel. 100 Experten aus ganz Deutschland haben sich Ende November in Kiel getroffen, um den Status Quo eines einzigartigen Projektes zu erörtern: Städte als Quelle erneuerbarer Energie.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Angus+“ wollen Wissenschaftler herausfinden, ob es möglich ist, urbane und industrielle Wärme in unterirdischen Wärmespeichern zu sammeln und gezielt für die Energieerzeugung zu nutzen. Dazu zählen zum Beispiel Ab- und Prozesswärme aus Gebäudeklimatisierung. Besonders die Auswirkungen auf die Energiewende durch die Nutzung des geologischen Untergrundes als thermischer, elektrischer und stofflicher Speicher werden untersucht. Aber auch Risiken und Auswirkungsprognosen als Grundlagen einer zukünftigen Raumplanung des Untergrundes werden thematisiert.

Städte geben Wärme ab

„Die regenerative Wärme- und Kälteversorgung von Städten ist auch international einer der bedeutendsten Hebel für die Energiewende und einer der Schlüssel für den Kohleausstieg.“, sagte Professor Andreas Dahmke von der Kieler Christian-Albrechts-Universität auf dem Symposium. Die Nutzung saisonaler unterirdischer Wärmespeicher eröffne dabei die Möglichkeit, Kohlekraftwerke sogar schon mittelfristig teilweise ersetzen zu können, prognostiziert Dahmke. Sebastian Bauer, ebenfalls von der CAU, ergänzte: „Es existieren in Städten gerade in den Sommermonaten eine Reihe potenzieller Wärmequellen, deren Einbindung in die städtische Wärmeversorgung möglich wird, wenn saisonale Wärmespeicher verfügbar sind.“ Die Wissenschaftler sehen sich bereits in der Lage, bei relativ geringer Raumbeanspruchung von weniger als 10 Prozent der oberen 200 Meter des geologischen Untergrunds Wärme- und Kältespeicher mit den entsprechend großen Kapazitäten zu errichten.

Das Projekt „Angus+” wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bis Ende 2020 mit 6,6 Millionen Euro gefördert.

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